Die Herkunft des Namens Koglin
Familiennamen wurden im 12. Jahrhundert zunächst in den Städten des
südwestlichen Deutschlands gebräuchlich. In den ländlichen Gegenden
Ostdeutschland hatten sie sich spätestens im 15. Jahrhundert
durchgesetzt. In der einschlägigen Literatur1,2,
ist man sich weitgehend
einig, daß der Name Koglin wegen der Endung „–in“ aus einem slawischen
Ortsnamen entstanden ist. Die sogenannten Herkunftsnamen, die dritte
Hauptgruppe der Familiennamen, wurden den Namensträgern nach einem
Ortswechsel von ihren neuen Nachbarn gegeben. Breidbach3 schreibt
dazu:
„…für den … Herkunftsnamen gilt, daß eine Benennung nach Orten nur dann
erfolgte, wenn die fragliche Siedlung den Mitbürgern am neuen Wohnsitz
bekannt war, andernfalls erfolgte eine Benennung nach der Region,
beispielsweise Döring, Düring für jemand aus Thüringen …“ und
schlußfolgert, daß der namensgebende Ort, sofern er nicht überregional
bekannt war, in der Umgebung, höchsten in einer Entfernung von 50 km zu
suchen sei. In unserem Fall fiel die Namensgebung zeitlich
wahrscheinlich mit der deutschen Besiedlung zusammen. Die Bauern der
neuangelegter Dörfer wurden von Lokatoren in entfernten Gebieten
angeworben, kannten sich zunächst untereinander noch nicht, wohl aber
die Namen ihrer Heimatdörfer, aus denen sie kamen, und wurden danach
benannt.
Ende des 16. Jahrhundert heißt es Koggelin oder Kouwelin, Ende des 17.
Jahrhunderts Caulin und Anfang des 18. Jahrhundert Kugelien, Kuglin,
Kogelin4, Coglin, Cogelin und Koglin. Die Lautveränderung w zu g
ist
typisch für das niederdeutsche Sprachgebiet, ebenso der Schwund der
unbetonten Mittelsilbe Im 19. Jahrhundert sind praktische alle
Schreibweisen außer Koglin verschwunden. Dafür erscheint Koplin, wobei
aber nicht sicher ist, ob dieser Name überhaupt mit Koglin in Beziehung
steht.
Manche Fachleute schlagen als Herkunftsort Kowalin oder ähnlich vor,
was Ort des Schmiedes bedeutet. Bei Krasnik in der Woiwodschaft Lublin
südöstlich von Warschau gibt es ein Dorf Kowalin. Nach Lorentz5 führt
einen See „Gogolyno“ im Kreis Bütow bei Zukowken auf, was auf „gogoli“
gleich „Teichente“ zurückzuführen sei. Gogolin heißt auch eine Stadt in
Oberschlesien. Bei Kühnel6 findet sich Couenina (auf der Darguner
Feldmark), 1178 Couenine, 1239 Couenin, Covnim, 1241 Coulin, 1248
Caunin, 1256 Cowelin, 1257 Coulin, 1261 Caulin von altslawich kov-,
kovati = hauen, schlagen, woraus das ehemalige Coveniz bei Dargun Kr.
Demmin entstanden sein soll. Dieses Variante hat insofern etwas für
sich,
weil das Kloster Buckow im Kreis Schlawe eine Gründung des Klosters
Dargun bei Demmin war. Auch Cocolicino, was offenbar das spätere
Köselitz7,
7 km südwestlich von Pyritz, ist und Colo, das spätere
Kollin, 13 km südsüdöstlich von Stargard, könnten in Erwägung gezogen
werden.
Bei älteren
Familienforschern war die
„Hugenottentheorie“ beliebt; es
galt einfach als vornehm, von Franzosen abzustammen, zumal es ein
Cogolin bei St. Tropez gibt. Doch die französischen Kolonien entstehen
erst ab 1697 in Stargard, Kolberg, Stolp und Löcknitz, insgesamt 11
Dörfer mit 655 Refugés
8.
Ähnlich verhält es sich wohl auch mit der in Nordamerika verbreiteten
„Schottentheorie“, wonach der Name sich von Coughlin herleitet, zumal
es auch die Formen Coglin und Koglin in Groß Britannien und den USA
gibt. Richtig ist, daß es eine schottische Einwanderung nach Pommern
gab. Riemann9
schreibt:
Schon um das Jahr 1546
müssen Schotten
in großer Anzahl in Pommern vorhanden gewesen sein, denn in diesem
Jahre ist das erste herzogliche Mandat gegen sie erlassen worden. Wir
finden sie hier in der verschiedenartigsten Thätigkeit, als Männer von
hohem Rufe, Gelehrte, Professoren, im Gegensatz dazu in untergeordneten
dienstlichen Verhältnissen, als Gaukler und Wundermänner, vorzugsweise
aber suchen sie als Händler, Krämer und Hausirer in den verschiedensten
Zweigen des Handels ihren Erwerb.
Doch
sie waren keine Bauern wie alle
frühen Koglin!
Wir haben mit der Hufenklassifikation
von 1717/1910
ein ausgezeichnetes
Hilfsmittel, um uns ein Bild von der frühen Verbreitung der
Familiennamen zu machen. Koglin – auch in der Form Kuglien, Kugelin,
Keglin, Kügelin – kam unter rund 16.000 Namen auf vergleichsweise engem
Raum sechzehnmal vor; davon allein in Porst sieben- und Sydow dreimal.
Die relativ große Zahl, deutet auch darauf hin, daß es keinen
gemeinsamen Stammvater gab. 
Als Bischof Friedrich von Eichstädt 1339 Dreiviertel des Landes Bublitz
als Kammergut erwarb, blieb das Viertel östlich von Bublitz ein Lehen
des Geschlechts Kameke11. Diese waren 50 Jahre
vorher noch auf Usedom begütert gewesen. Es liegt nahe, daß die neuen
Besitzer
des Landes die Siedler aus ihrer alten Heimat holten. Um 1350 war
die Hochzeit der Ostwanderung schon vorbei, aber infolge eines offenbar
beträchtlichen Bevölkerungsüberschusses konnte … die Besiedlung … bald
überwiegend von Deutschen getragen werden, die bereits von im Lande
heimisch gewordenen Siedlern
abstammten12.
So gibt es Dörfer mit
ähnlichen oder gleichen Namen auf Usedom-Wollin und im Kreis Bublitz:
- Dargen – Dargen13
- Reckow – Reckow14
- Korswandt - Kursewanz
- Karzig – Karzin
- Pritter – Pridddargen
Und es gibt dort nicht nur das Dorf Camminke, von dem sich der Name
Kameke ableitet, sondern auch das Dorf Kachlin, heute ein Ortsteil von
Dargen. 1238
erstmals erwähnt, erscheint es in den Urkunden als Gagellyn, Gaghelyn,
zur Zeit der schwedischen Landesaufnahme Ende des 17. Jahrhundert als
Gackelin. Die Vermutung ist
gewagt, aber könnte es nicht sein, daß
hieraus Koglin entstanden
ist? Die kürzeste Entfernung über Wollin
beträgt nur 170 km; das kann man zu Fuß leicht in einer Woche, mit dem
Pferd in der halben Zeit schaffen. Man war also nicht aus der Welt; die
Verbindung mit der alten Heimat hat sicherlich noch einige Jahrzehnte
bestanden.
Der
Dorfname auf Usedom veränderte sich von Gagellyn, Gaghelyn zu
Kachlin; in der Umgebung von
Bublitz wurde aus Koggelin
oder Kouwelin
Kugelien, Kuglin, Kogelin und Koglin.
Etwas zweifelhaft ist der Wechsel
des Vokals a zu o, aber doch nicht undenkbar.
[1] Albert
Heintze: „Die Familien-Namen von Stolp…“, Stolp
1866, S. 32.
[2] Rosa
und Volker Kohlheim: „Duden Familiennamen“, Mannheim 2005, S. 389.
[3]
Dr. Winfried Breidbach, Universität Leipzig: „Gutachten
zur Herkunft und Bedeutung des Familiennamens Koglin“.
[4] Angeblich KB Porst
Ende 17.
Jahrhundert. Noch nicht verifiziert.
[5] Friedrich Lorentz:
„Slawische Namen
Hinterpommerns“, Berlin 1964, s. 34.
[6]
P. Kühnel: „Die slawischen Ortsnamen in Mecklenburg“,
Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und
Altertumskunde. - Bd. 46 (1881), S. 3-168.
[7]
Pommersches Urkundenbuch 11.1, Nr. 257: „Herzog Barnim
I bestätigt dem Johanni-terorden die Besitzungen ...“, Nr. 467 und 388:
„Herzog Warzilaw bestätigt dem Kloster Dargun den Besitz der Dörfer
...“
[8]
G. Kratz, Bearbeiter: „Die Geschichte der Städte der
Provinz Pommern“, Nachdruck 1973, Ständig oHG, Walluf bei Wiesbaden.
[9]
H. Riemann: „Die Schotten in Pommern …“,
Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde, Bd. 3, S.
597-612, A. Bath Berlin 1866.
[10]
B. Koglin: „Die Namen der Blanckenseeschen
Hufenklassifikation in Hinterpommern 1717/19“. Hersg. Pommerscher Greif
e.V.
ISBN 978-3-941138-35-2.
[11] Pommersches
Urkundenbuch IV, S. 278: Petrus de Kameke verkauft das Dorf „Cameke“
auf
Usedom.
[12]
Rudolf Benl: „Deutsche Geschichte im Osten Europas
- Pommern“, H. Buchholz, Herausgeber, Siedler Verlag.
[13] Auf Dargun
weist schon K. F. Hasselbach hin in
Codex Pomeraniae diplomaticus, S. 88.
[14] Reckow gibt es
aber auch in den Kreisen Cammin,
Greifenhagen, Regenwalde, Lauenburg und Bütow.
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