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Das Unheil naht
Flucht und Rückkehr
Bis zur Vertreibung
Gefallene

Kämpfe um Hölkewiese

Deutscher Angriff auf Hölkewiese

Nach der Ankunft der 4. SS-Pol.-Pz.-Gren.-Division in Rummelsburg und den Vorbereitungen im Schutze des unübersichtlichen Geländes nord- und nordöstlich des Dorfes griff dessen 7. Regiment im Morgengrauen des 2. März 1945 an. Über welliges, baumloses Feld, dessen flache Senken nur unzureichend Schutz boten, sollte es über 1 Kilometer vorgehen. Die Russen hatten sich im Dorf gut verschanzt.

Untersturmführer Heineck (5./Rgt. 7) berichtet in[1]:

Wir griffen zu einer Zeit an, als es innerhalb von 30 Minuten taghell wurde. Mehrere sehr gut getarnte Pak.-Stellungen und starkes MG-Feuer brachten den Angriff etwa 300 m vor dem Dorf zum Stehen. Obersturmführer Hadamovsky konnte an der rechten Flanke ungesehen mit seiner Kompanie (7./Rgt.7) vorankommen und hatte fast den Ortsrand erreicht, als er fiel.

Tatsächlich fanden sich unmittelbar vor den Gärten am nordwestlichen Dorfende deutsche Ausrüstungsgegenstände, Munitionskästen und Patronen. 17 gefallene SS-Soldaten lagen auf dem Feld östlich des Mühlenweges. Wegen des russischen Gegenangriffes hatte man sie nicht mehr bergen können. Bei diesem Gefecht sind von keiner Seite gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt worden. Die Russen verteidigten sich besonders mit Granatwerfern, so daß das Gefechtsfeld anschließend mit flachen Trichtern übersät war.

Wer war Eugen Hadamovsky?

Unter den Gefallenen am Mühlenweg war auch der erwähnte Eugen Hadamovsky, der in [1] als „Reichssendeleiter“ bezeichnet wird. Bei der Aktion "Sonnenwende" Mitte Februar 1945 soll „Die Kompanie Hadamovsky ... die russischen Stellungen im Nahkampf durchbrochen...“ haben. Und: „Die verloren gegangene Kompanie Hadamovsky kam von der Südspitze des Plöne-Sees wieder zurück. Ohne Gefechtslärm hatte die Kompanie den Gegner überrascht und mit der blanken Waffe die sowjetische Front von hinten durchstoßen – dabei ohne eigene Verluste zahlreiche Gefangene und Gerät eingebracht“. Also ein wahrer Teufelskerl, aber nicht mehr lange! Richtig fündig wurde ich in den „Erinnerungen“ von Albert Speer. Im 9. Kapitel „Ein Tag Reichskanzlei“ berichtet Speer über die Scherze Goebbels:

Im Rundfunk hatte ein alter Parteigenosse, Eugen Hadamovsky, als Reichssendeleiter eine Schlüsselposition bekommen, brannte jetzt aber darauf, Leiter des Reichsrundfunks zu werden. Der Propagandaminister, der einen anderen Kandidaten hatte, fürchtete, daß Hitler Hadamovsky unterstützen könne, weil er vor 1933 die Lautsprecherübertragungen der Wahlfeldzüge mit beträchtlichem Geschick organisiert hatte. Hanke, Staatssekretär im Propagandaministerium, ließ ihn daraufhin zu sich kommen und eröffnete ihm offiziell, daß er soeben von Hitler zum „Reichsintendanten“ ernannt worden sei. Hadamovskys Freudenausbruch über die ersehnte Ernennung wurde Hitler beim Essen, wahrscheinlich vergröbert und verzerrt, wiedererzählt, so daß er das Ganze als großartigen Spaß aufnahm. Am nächsten Tag ließ Goebbels einige Exemplare einer Zeitung drucken, in der die falsche Nachricht von der Ernennung gemeldet und der Ernannte in übertriebener Weise gefeiert wurde. Auf dergleichen verstand er sich; er konnte nun Hitler von all den Übertreibungen und Huldigungen berichten, die der Artikel enthalten, und wie erfreut Hadamovsky sie entgegengenommen hatte. Eine erneute Lachsalve Hitlers und der Tischrunde war die Folge. Noch am gleichen Tage bat Hanke den Neuernannten, eine Begrüßungsansprache in ein Mikrofon zu sprechen, das nicht angeschlossen war, und wiederum gab es Stoff zu endloser Heiterkeit, als der Runde berichtet wurde, mit welch übertriebener Freude, Zeichen offensichtlicher Eitelkeit, der Hintergangene reagiert hatte. Goebbels brauchte eine Einmischung zugunsten Hadamovsky zunächst nicht mehr zu befürchten....

Man kann ahnen, was den nicht mehr jungen Hadamovsky dazu gebracht hat, zur SS zu gehen. Und was schreibt Joseph Goebbels am Sonnabend, den 3. März 1945, in sein Tagebuch[2]?

Ich bekomme eine traurige Nachricht. Mein alter Freund und Mitarbeiter Eugen Hadamovski ist, an der Spitze seiner Kompanie stürmend, gefallen. Er erhielt einen Herzschuss und war gleich tot. In ihm verliere ich einen meiner Weggenossen, die mich seit vielen Jahren unermüdlich und treu begleitet haben. Ich werde ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Wieviel kostbares Blut wird nicht in diesem Kriege geopfert! Aber wenn man die Weltkrise, die wir augenblicklich durchstehen, ruhigen Sinnes betrachtet, so könnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, dass Hadamovski um das Los, das er erwählt hat, nur zu beneiden ist.

Mittlerweile findet man ihn schnell im Internet, z.B. bei Wikipedia.

Die Kämpfe am Groß Volzer Wald

Wie berichtet hatten schon am Morgen des 26. Februar russische Panzer über Hölkewiese hinaus in Richtung Rummelsburg aufgeklärt, waren aber umgekehrt. Die russische Infanterie traf am folgenden Tag ein und untersuchte von der Rummels­burger Chaussee aus die einzelnen Bauernhöfe. Die deutschen Stellungen lagen taktisch günstig am Rande des Groß Volzer Waldes, an der Straße Hölkewiese-Rummelsburg etwa bei der alten „Franzosen-Schanze“, wo feuchte Wiesen und Wasserläufe die Verteidigung begünstigten. Diese Stellung wurde bis zum 1. März von der 7. Pz. Div. gehalten, danach von der 4. SS-Pol.-Pz.-Gren.-Div.

Die Russen hatten ungeheure Menschenmengen aufgeboten; Augenzeugen berichten, der Wiesenhof und die anderen Höfe der Gegend, ja sogar einzelne Wiesen seien „schwarz“ von Menschen gewesen. Es begann ein Artillerieduell, bei dem die Höfe längs der Straße zerstört wurden. Flugzeuge beider Seiten griffen ein. Vermutlich wurde auch hier von der SS-Division ein ergebnisloser Gegenangriff mit Panzern vorgetragen. Nach den Kämpfen säumten jedenfalls deutsche und russische Panzerwracks die Straße. Zehn deutsche und zehn russische Gefallene wurden später von den deutschen Einwohnern am Kamnitzer Eck, dem Abzweig des Kamnitzer Weges von der Rummelsburger Chaussee, beerdigt.

Die Stellung wurde aufgegeben, als die Russen in der Nacht vom 2. zum 3. März über Klein Volz auf Rummelsburg vorstießen und die Stadt am Nachmittag völlig in ihren Besitz gebracht hatten[3].

Eines Morgens war Ruhe, und die Panzer fuhren und Truppen marschierten auf der Straße in Richtung Rummelsburg

berichtet eine ehemalige Bewohnerin. Es war Sonnabend, der 3. März.

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[1] Friedrich Husemann: „Die guten Glaubens waren - Geschichte der 4.SS-Pol. Panzergrenadierdivision“, Bd. 2, Munin, Osnabrück 1973
[2] "Joseph Goebbels Tagebücher 1945", Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1977
[3] D. Ch. Chudalov in Friedrich Husemann, siehe Fußnote 1